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Willkommen auf unserem Weblog zur Erneuerung Politischer Bildung!

Über das Fach Politische Bildung in der Schule herrschen unterschiedliche Vorstellungen. Ähnlich wie Latein, Geschichte und Mathematik ist Politische Bildung ein eher ungeliebtes Unterrichtsfach. Selbst die wenigsten Erwachsenen wissen, welche Vorteile ihnen Politische Bildung im Leben bringen könnte. Das liegt aber weniger an der Politischen Bildung selbst, als vielmehr an der unprofessionellen Art und Weise wie sie vermittelt wird.

Mittlerweilen steht fest, dass Politische Bildung in ihrer konventionellen Prägung ein viel zu abstraktes Gebilde ist, insbesondere für Jugendliche bis ca. zum 20. Lebensjahr. LehrerInnenausbildung, Lehrpläne, Lehrbücher und Fachdidaktik nehmen nämlich kaum Rücksicht darauf, dass Jugendliche bis zum Ende der Pubertät vor allem emotional zu lernen vermögen und erst am Ende der Pubertät analytisch. Die erforderlichen Kompetenzen können deshalb nicht wirklich erworben werden. Der größte Widerspruch ist wohl das Unterrichtsprinzip Politische Bildung, dass von der LehrerInnenausbildung, wie auch im schulischen Alltag nahezu völlig ignoriert wird. Dabei geht es hier um eine sehr wichtige Sache! Nicht um das Erlernen des “Politisierens”, wie man es gemeinhin annimmt, sondern um den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Verhalten, die für ein späteres Leben in Zufriedenheit, Anstand und Glück von größter Wichtigkeit sind.

Als man vor drei Jahrzehnten in Österreich das heute noch fortschrittliche Unterrichtsprinzip Politische Bildung in den Schulen entwickelte, gab es deshalb bereits Stimmen, die in weiser Voraussicht den Begriff “politisch” im Zusammenhang mit dem Ziel bürgerlicher Bildung in Frage stellten, weil er allzu leicht dazu verführt dabei an Parteipolitk, Wahlen und Machtstrukturen zu denken.  Diese Kritik hat sich mittlerweilen sowohl in der schulischen Praxis als auch im Rahmen internationaler Vergleichsstudien als richtungsweisend herausgestellt.

Weil wir uns von der leicht irreführenden Bezeichnung: “Politische Bildung” unterscheiden wollen, verwendeten wir für unsere Stiftung und unser Weblog lieber den international üblichen Begriff: Civic Education. Den Zusatz “Aufklärung 2.0” haben wir deshalb gewählt, weil er einerseits die Neurowissenschaften einschließt, andererseits die modernen Medien als Transfermittel benutzt.

Gerade im deutschen Sprachraum ist man mehr als anderswo ins Detail verliebt. Das führte u.a. dazu, dass man in übertriebener Form kategorisiert, bzw. besonders gerne in Schubladen einteilt, aber auch dazu, dass man in unseren Landen meist intoleranter ist als anderswo. In der Schule haben sich analog die Fächer und an den Universitäten, die so genannten reduktionistischen Disziplinen herausgebildet. Dass schon Aristoteles erkannt hatte, dass das Ganze mehr ist als nur die Summe seiner Teile, wird zwar rezipiert aber offensichtlich nicht verstanden. Für so ein Kategorisieren eignet sich die konventionelle Politische Bildung, nicht jedoch Civic Education, die den Menschen naturgemäß in seiner Gesamtheit erfasst. Das erfordert neben einem holistischen Weltbild breite Kenntnisse in vielen anderen Disziplinen. Dazu wäre ein Studium Generale geeignet, das seit dem 13. Jahrhundert zwar an allen renommierten westeuropäischen Universitäten gab, im deutschen Sprachraum jedoch so gut wie nicht existierte.

Es gibt wohl kaum jemanden der/die nicht in Frieden, Eintracht und Sicherheit leben möchte. Wir wünschen uns alle ein gelingendes Leben, bzw. eine ausgewogene “Work-Life-Balance”. Wer das erreichen will, muss selbst etwas dazu beitragen. Deshalb braucht es den lebenslangen Erwerb von Civic Education, damit man sich selbst, so wie den/die Anderen bessern kennenlernt. Für Jugendliche, die einen emotionalen Zugang zum Lernen haben, muss Civic Education deshalb ganz anders konzipiert werden, als für Erwachsene, die eher auf analytischer Ebene lernen. Diese Zusammenhänge bekannt zu machen sehen wir als unsere Aufgabe an. Aus diesem Grund forcieren wir auch den Erwerb der  Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen, wie es bspw. an der bilingualen Europaschule in Budapest in zukunftsweisender Art und Weise erfolgt.

In der Demokratie leben die Menschen im Spannungsfeld von Soll und Sein, nennt es der bekannte österreichische Politikwissenschaftler Anton Pelinka. Die Nichtbewältigung dieses Spannungsfeldes führt die Bürger zur Politik- bzw. Demokratieverdrossenheit. Machthungrige, die es in jeder Epoche gibt, werden in der Regel das dabei entstehende Vakuum ausnützen. Autoritär veranlagte Menschen (das sind auch solche die sich von  anderen manipulieren und instrumentalisieren lassen) werden dabei zu einer permanenten Gefahr für den demokratischen Rechtsstaat, der gesellschaftliche Friede gerät so in Gefahr.

Ein Beispiel für ein weltweites Problem: die hohen Scheidungsraten. Kaum wer fragt, wieso gerade nach dem Krieg die Zahlen so urplötzlich explodiert sind. Noch weniger fragt sich die Politik, wie man dem entgegenwirken könnte. Das Leben in einer möglichst dauerhaften ehelichen Gemeinschaft ist aber das Um und Auf demokratischer Entwicklung, da man sich täglich aufs Neue konstruktiv vereinbaren muss. Die christlichen Religionen haben ihren diesbezüglichen Einfluss weitgehend verloren. Dass es in den demokratischen Ländern zu einer  stark wachsenden Scheidungsrate gekommen ist, hat weitgehend mit mangelnder Selbstständigkeit und erzieherischer Untätigkeit bei den Jugendlichen zu tun, die zu wenig differenziert mit dem Leben “as it is” konfrontiert werden. Illusionen, Klischees und Vorurteile begleiten dann die jungen Menschen bei ihrem Eintritt ins selbstständige Leben. Sie produzieren treffsicher diejenigen Vergegnungen, die dann medial meist achselzuckend auf das Phänomen der “Lebensabschnittspartnerschaft” reduziert werden. Dem, und analogen Problemen wollen wir im Rahmen des “Lebenslangen Lernens2 mittels einer modernen “Civic Education” entgegenwirken.

Welche Konzepte und Methoden dazu führen könnten, um zunächst einmal die jungen Menschen als Multiplikatoren für die Modernisierung der Gesellschaft zu gewinnen, ist die Frage, die wir uns überlange Zeit hinweg gestellt haben. Mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission konnten wir mittlerweilen eigene Projekte organisieren und Fortbildungsmodule entwickelten. Dabei haben wir selbst sehr viel gelernt.

Im Zuge dieser Bemühungen haben wir Forschungen der OECD/CERI, Empfehlungen des Europarates, Erkenntnissen der Neuropsychologie/ Kognitionswissenschaften mit unseren eigenen Erfahrungen verknüpft. Eine Zusammenstellung findet sich in folgendem Poster (bei Vergrößerung lesbar) mit dem Titel: Jump into Education for Democratic Citizenship.

Wie es man am “Jump into” Poster sieht, ist diese neue Lern- und Erfahrungswelt bunt, kreativ, lebensnah, weltoffen und vor allem spannend, so wie oben am Beispiel der bilingualen Europaschule Budapest. Unsere Welt ist durch die Globalisierung klein aber auch komplizierter geworden. Die Eltern, vor allem die alleinerziehenden Mütter brauchen dringend Unterstützung, die sich im Sozialen wie auch im Kognitiven bewegt. Die Schule muss diese Veränderungen leisten, d.h., dass die Tage des Lehrers Lämpel (siehe auch obige Briefmarke) gezählt sind. Wir laden Sie/dich herzlich ein, das mit uns zu diskutieren und vielleicht sogar daran mitzuarbeiten.

Das Team der
European Civic Education Foundation